Führung: Damenmode des 18. Jahrhunderts


Kapitel Fünf

here be music The Marquise de Pompadour by François Boucher, 1756

Die Marquise de Pompadour von François Boucher, 1756

Während der 50er und 60er wurde die Contouche immer eleganter: Sie lag nun eng an der Taille an und war vorn weit über einem oft dicht mit Spitze, Stickerei oder Schleifen besetzten Stecker geöffnet.

Stoffe waren nunmehr gar nicht oder eher zurückhaltend gemustert; stattdessen verwendete man zur Dekoration vor allem Volants und Rüschen. Die verliefen auf der Jupe quer geradeaus, quer in Schlangenlinien oder bildeten Kringel, auf der Robe die Vorderkanten entlang, und ersetzten an den Ärmelenden die Flügel.

Eine der einflußreichsten Frauen des europäischen Rokokos, die gleichzeitig die Blüte und das Ende dieser Stilepoche repräsentiert, zeigt hier all diese Merkmale im Überfluß an ihrem Deshabillé, dazu das Halsband und goldbestickte Seidenpantoffeln mit hohen Absätzen. Die Contouche, die als saloppes Gammelgewand angefangen hatte, ist nun - wie dieses Staatsportrait beweist - endgültig zur Hofmode avanciert. Natürlich konnten sich nur wenige eine solche Pracht aus Seidenblumen und Silberspitze leisten. Die mittelmäßig wohlhabenden begnügten sich mit einfarbigen Taften, aufgelockert durch Volants.

Statt der breiten, fast bodenlangen Reifröcke wurden nun kurze Reifröcke - Springrock genannt - oder Poschen getragen. Außer zu zeremoniellen und höfischen Anlässen waren die großen, breiten Paniers schon um 1750 aus der Mode.

Bis um 1770 herum ändert sich die Mode kaum. In den 1760ern kommen Streifen in Mode, ob als richtig breite Streifen oder als in Streifen angeordnete Blumenranken, und sogar Karos, die man heute als Küchengardine abtun würde, wenn sie nicht aus Seide wären.

Die Haartrachten waren scheinbar schlicht, aber kunstvoll arrangiert und meist gepudert. Damen wie Herren legten einen speziellen Pudermantel um, hielten eine Maske vors Gesicht und ließen sich dann mit Hilfe blasebalgartiger Geräte bestäuben.


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Die Musik ist die Ouverture des Oratoriums Theodora von Georg Friedrich Händel. Sequenced by yours truly.