Knöpfe mit Stoff beziehen

 

Mit dem Kleiderstoff bezogene Knöpfe sind in den meisten Epochen authentisch. Heute kriegt man in Kurzwarenhandel Bausätze dafür, aber die haben nicht immer die richtige Größe, sind zu sehr oder zu wenig gewölbt, und wenn der Knopf nicht gerade sehr staff aufsitzt, kippt er ein wenig zur Seite und man sieht den unauthentischen rückwärtigen Teil. Warum also für die Bausätze viel Geld ausgeben und unauthentisch sein, wenn es doch so einfach ist?

Die folgende Anleitung mag auf den ersten Blick erschreckend lang sein, daber das ist nur, weil ich alle Evenualitäten abdecken will. Bedenke außerdem, daß die Anleitungen für die fertigen Bausätze auch nicht kürzer wären, wenn sie ohne Bilder auskommen wollten.

Zum Beziehen eignen sich - das gilt für die Bausätze ebenso wie für die hier vorgestellte, historische Methode - nur Stoffe, die relativ wenig fransen und/oder recht fein sind. Feine, dünne Stoffe dürfen etwas mehr zum fransen neigen, dickere Stoffe eher weniger. Warum? Weil dünnere Stoffe auf der Rückseite keine so dicken Knubbel bilden, so daß man ihnen mehr Zugabe geben kann.

Illustration aus der Encyclopédie (18. Jh.): Fig. 28 ist die Form,
29 der Stoff mit angedeuteten Nähstichen, 30 die Form im halb
zugezogenen Stoff, 31 der fertige Knopf.

 

Als erstes brauchst Du eine Basis - etwas, das Du beziehst. Für flache Knöpfe ist das ganz einfach: Holzscheiben, wertlos gewordene Münzen (wer hat noch eine Pfennigsammlung? ;)), also alles, was scheibenförmig und rund ist, einschließlich normaler Knöpfe mit Löchern. Von Knöpfen mit Schaft/Öse rate ich ab, weil der Schaft beim beziehen und v.a. beim annähen im Weg wäre, aber zur Not gehen auch die. Gewölbte Formen sind etwas schwieriger zu finden, aber schau Dich einfach mal um. Bastelmaterial? Spielsteine? Omas Knopfsammlung? Das Objekt braucht weder Löcher noch einen Schaft, denn den machen wir uns selber.

Ist das Objekt gefunden, kann es losgehen: Zeichne auf Papier einen Kreis, dessen Radius doppelt so groß ist wie der des Objektes, plus 5 mm. Wenn das Objekt gewölbt ist, mach die Schablone noch ein paar Millimeter größer - je stärker die Wölbung, desto mehr. Schneide nach dieser Schablone eine Kreis aus dem gewünschten Stoff zu. Achtung: Schneide erstmal nur einen Kreis zu!

Nähe nun von Hand mit möglichst kleinen Steppstichen einmal um den Stoffkreis herum, 5 mm einwärts vom Rand oder bei dickeren Stoffen bis zu 7 mm. Wenn Du ganz rum bist, lege das Basis-Objekt in die Mitte des Kreises und zieh den Nähfaden an, bis der Kreis sich ganz um das Objekt geschlossen hat. Jetzt sollte der Stoff straff um das Objekt liegen. Tut er das nicht, war Dein Stoffkreis zu groß. Treffen die Stoffkanten nicht in der Mitte aufeinander, war er zu klein. Im Idealfall steht die Zugabe in der Mitte der Rückseite ein bißchen hoch - je stärker der Stoff zum fransen neigt, desto mehr Zugabe sollte hochstehen. Die hochstehende Zugabe bildet den Schaft. Relativ dicke Stoffe sind eine Ausnahme: Da kann der Schaft leicht mal zu dick werden, so daß er das Knopfloch unschön auseinanderdrückt. Korrigiere also gegebenenfalls nochmal Deine Schablone und bedenke dabei, daß ein Millimeter Radius sehr viel ausmachen kann.

War alles genau richtig, stich mit demselben Faden, mit dem Du zugezogen hast, noch einmal kreuz und quer durch den hochstehenden Überhang, um ihn zu vernähen. Theoretisch könntest Du den Faden gleich weiterverwenden, um den Knopf anzunähen, aber wehe, er wird mal abgerissen: Dann mußt Du ihn nicht nur neu annähen, sondern auch neu beziehen. Die hochstehende Zugabe dient nun demselben Zweck wie bei fertigen Knöpfen der Schaft, nämlich daß der Knopf nicht direkt auf dem Gewand sitzt und zum durchziehen der Fäden, mit denen man ihn befestigt.


  Wednesday, 24-Apr-2013 21:19:24 MEST