Aus Färberwaid gewonnener Indigo war schon im Mittelalter in Deutschland gebräuchlich und zählte zu den Farben, die auch dem gemeinen Volk zugänglich waren, wenn auch nicht so billig, daß man ihn für Alltagskleidung verwendet hätte. Ab dem 17. Jh. kam auch der Indigo des Indigostrauchs in Europa an und Indigoblau wurde einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich. Blau zählt seither neben Rot zu den beliebtesten Farben in Volkstrachten. Grund genug, es damit einmal zu probieren.
Bevor Du irgendetwas nachmachst, lies bitte meine Seite zum Thema Gefahrenstoffe!
Da erste Problem war, ein Rezept zu finden. Das Rezept aus Pipi in meinem Naturfarben-Buch wollte ich nicht unbedingt ausprobieren - meine Mutter hätte mich samt der Küpe aus dem Garten vertrieben, und mein Minibalkon kam nicht in Frage. Einige Schul-Websites fanden sich via Suchmaschine, mit Rezepten für kleine Färbeversuche. Die hochzurechnen, war das kleinste Problem. Schwieriger war es, die Chemikalien zu finden. Natronlauge (NaOH) hatte ich von der Seifensiederei her schon, Natriumdithionit (im Folgenden abgekürzt zu NDT) nicht. Beide findet man übrigens bei Omikron - siehe Bezugsquellenseite. Und dann Indigo selbst - gefunden bei Kremer (ebenfalls Bezugsquellenseite) zu einem stolzen Preis.
Kurz zur Technik der Indigofärberei:
Der Indigo, der als Pulver oder in Brocken daherkommt, ist erstmal nicht wasserlöslich,
kann also nicht zum Färben verwendet werden. Um ihn zu lösen, braucht
man eine Lauge - eben Natronlauge. Das reicht aber noch nicht, weil sich der
so gelöste Indigo nicht dauerhaft an den Stoff anlagern kann. Dazu muß
man ihn reduzieren, und dazu dient das NDT. Dadurch kriegt man eine gelbliche
Brühe, in die der Stoff gelegt wird, und aus der er gelblichgrün herauskommt.
Läßt man den Stoff nun ausgebreitet an der Luft, oxydiert der Indigo
und wird wieder blau.
Bevor Du nun selber losexperimentierst, lies bitte meine Seite zum Thema Gefahrenstoffe.
Nun unterschieden sich alle Rezepte, was die relativen Mengen von Indigo, Natronlauge, Natriumdithionit und zu färbendem Stoff anging. Ein Rezept enthielt gar kein Natriumdithionit, sondern Hydrosulfit - mittlerweile weiß ich, daß damit (Natrium-)Hydrosulfit und Natriumdithionit dasselbe sind. Können diese Schnarchnasen nicht Begriffe verwenden, die auch Chemikern was sagen? Wie soll man sonst vernünftig einkaufen? Jedenfalls kam ich beim Vergleich diverser Rezepte zu dem Schluß, daß die Indigomenge mindestens 10% Prozent der Stoffmenge (trocken gewogen) betragen sollte, für tiefe Blautöne auch mehr. Indigo zu Natronlauge (30%) zu NDT etwa 2:3:5. Das ist nicht der Weisheit letzte Spruch, wie im Folgenden zu sehen sein wird.
Meine erste Küpe (=Färbebad) machte ich aus 100g Indigo und 100g NDT. Natronlauge (30%) dürfte atwa die gleiche Menge gewesen sein, dazu ca. 1-1,5 Liter Wasser. Zuerst mixte ich die Natronlauge: 30% heißt, daß auf drei Teile reines, körniges NaOH sieben Teile Wasser kommen. Das NaOH wird nach und nach ins Wasser gekippt (nie umgekehrt!) und gut verrührt, bis alle Körnchen aufgelöst sind. Nicht die Dämpfe einatmen! Darin kann man nun den Indigo auflösen. Wenn alles gut gelöst ist, kommt das NDT hinzu. Die Mischung wird gelblich, auf der Oberfläche bildet sich eine kupferfarbene Schicht. Nicht zu stark rühren, sonst kommt zuviel Luft in die Mischung, und der soeben reduzierte Indigo oxydiert wieder.
Mein erstes Färbeexperiment war ein Stück Baumwolle zu 3 Meter und ein altes Bettlaken, das obendrauf lag, auf daß es das eigentliche Färbegut niederhalte. Daruf kam ein Brett, mit Steinen beschwert, damit auch ja aller Stoff in der Soße liegt. Nach ca. 20-30 Minuten holte ich den Stoff heraus, drückte ihn über dem Topf aus, und breitete ihn dann auf der Wiese aus, damit er oxydieren konnte. Beide Stoffstücke habe ich, nachdem sie verblaut waren, ein zweites Mal für weitere 20-30 Minuten eingetunkt. Das eigentliche Färbegut wurde ein mittleres Blau, etwas dunkler als normale Bluejeans, das Bettlaken (das "Opfer") etwa der gleiche Farbton, aber scheckig. Meinem Gefühl nach war nicht genug Reduktionsmittel (NDT) in der Küpe, da sie schon beim Färben ziemlich bläulich war.
Bei der zweiten Küpe kippte ich dementsprechend besonders großzügig NDT hinzu, so daß die Soße gelbbraun wurde. Ein zuvor mit Indigo gefärbtes Stück Stoff, das dunkler werden sollte, kam giftiggelb heraus, als ob ein Überschuß an NDT den schon im Stoff angelagerten Indigo nochmal nachreduziert hätte. Ich legte nochmal 4 m Baumwolle dazu, die ebenso gelb herauskam, aber leider dunkelblaue Flecken entwickelte. Das erste, schon vorgefärbte Stück ist nun heller als zuvor, aber auch gleichmäßiger.
Offenbar ist das Verhältnis von Indigo zu NDT sehr wichtig - genau 1:1 scheint etwas zu wenig, aber die Menge an NDT sollte die Menge an Indigo auch nicht allzu sehr übersteigen. Wenn die Küpe grünlichgelb ist, dürfte das Mischungsverhältnis stimmen; gelblichbraun bedeutet zuviel NDT.