VERMISCHTES

Empfohlene Kostümbücher

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Schnitte & Schneidern

Historische Schnitte in Büchern sind für Schneiderei-Anfänger ziemlich ungeeignet.

Kleidungsstücke des 18. Jh. aus dänischen Mussen, mit Schnittsdiagrammen. Texte in Dänisch und Englisch.

Wie die Namen der Autoren schon andeuten, handelt es sich original um ein deutsches Buch, erschienen im späten 19. Jh. und in Bearbeitung durch Sichart 1926 wieder aufgelegt. Heute ist die englische Übersetzung die einzige Alternative zum antiquarischen Original.
Aber nun zur Kritik: Das Buch enthält Schnitte von Gewändern von pharaonischer Zeit an, die natürlich zum Teil ausschließlich auf Rückschlüssen aus Bildmaterial beruhen. Aber immerhin. Wie so ziemlich alles aus dieser Zeit ist das Buch ziemlich unwissenschaftlich und daher mit Vorsicht zu genießen, da Köhler seine Quellen kaum hinterfragt.

Alcega, Juan de. Tailor's pattern book 1589.

Faksimile-Ausgabe eines Schneidereibuches von 1589 im spanischen Original mit englischer Übersetzung. Die Schnitte sind ziemlich grob und mit altspanischen Maßeinheiten versehen, die man erst mal umrechnen muß - also sehr schwierig umzusetzen. (Wer angesichts der Schnitte auf dieser Site nicht nonchalant die Schultern zuckt, sollte die Finger davon lassen.) Dafür ist das ganze Spektrum der Frauen- und Männerkleidung abgedeckt. Wer sich näher mit der Epoche befassen will, wird keine bessere Quelle finden.

Andersen, Ellen. Danske dragter : Moden i 1700-årene. Nationalmuseet: København, 1977
Arnold, Janet: Patterns of Fashion : The cut and construction of clothes for men and women c1560-1620. London: Macmillan, 1985.
Arnold, Janet: Patterns of Fashion 1 : Englishwomen's dresses and their construction c. 1660-1860. London: Macmillan, 1972.
Arnold, Janet: Patterns of Fashion 2 : Englishwomen's dresses and their construction c. 1860-1940. London: Macmillan, 1972.
Die Autorin - eine regelrechte Legende in Kostümschneiderkreisen - hatte Zugang zu einigen seltenen Stücken in verschiedenen Museen Europas, die sie vermessen und beschrieben hat. Die Schnittdiagramme sind in Inches, aber mit etwas Mühe gut zu gebrauchen. Anleitungen gibt es allerdings keine. Die beste Quelle für authentische Schnitte. Die beiden letztgenannten Bände sind auf englische Mode beschränkt, der erste beschreibt Gewänder aus ganz Europa. Die Listen der Quellen und Museen sind auch sehr wertvoll.
Baumgarten, Linda, und John Watson, Florine Carr. Costume Close Up : Clothing Construction and Pattern, 1750-1790. Costume and Fashion Press, 2000

Neben Schnitten, die von überlebender nordamerikanischer Kleidung abgenommen wurden, enthält das Buch auch detaillierte Beschreibungen und Bilder des Stoffes, der Verarbeitung, und Angaben zur Herkunft, sofern bekannt. So detailliert habe ich einzelne Kleidungsstücke noch nie beschrieben gesehen. Wenn in amerikanischem Re-enactment macht, wird es lieben, aber auch für "Europäer" ist es interessant. Die Unterschiede in der Konstruktion waren schließlich sehr gering.

Biegler-Sander, Heidede. Die Kostümsammlung der Familie von Bassermann-Jordan als Beispiel für die zeitgenössiche bürgerliche Mode von 1760-1870. Veröffentlichung der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Speyer, Band 84. o.O., o.J.

Die Fotos der Kleidungsstücke sind alle schwarzweiiß, wenig detailliert, und wirken teils professionell, teils etwas lieb- oder ahnungslos auf die Puppe geschustert. Aber: Schnittdiagramme! Deutsche Provenienz!

Davis, R. I. Men's Garments 1830-1900 : A Guide to Pattern Cutting and Tailoring.
Harris, Kristina (Hrsg.) Authentic Victorian Dressmaking Techniques. Maneola: Dover, 1999

Nachdruck von "Dressmaking, Up to Date", von Butterick, 1905. Der Titel lügt, denn die viktorianische Ära war 1905 schon vorbei. Anleitungen für Taillen, Blusentaillen, Röcke, Abend- und Brautkleider, Jacken, Mäntel, Mutterschaftskleidung, Wäsche, Kinderkleidung. Sowas bekommt man inzwischen auch als PDF auf Google Books.

Hunnisett, Jean. Period Costume for Stage & Screen : Patterns for women's dress Medieval-1500.
Studio City: Players Press, 1991(?).

 

Hunnisett, Jean. Period Costume for Stage & Screen : Patterns for women's dress 1500-1800.
Studio City: Players Press, 1991.
Hunnisett, Jean. Period Costume for Stage & Screen : Patterns for women's dress 1800-1909.
Studio City: Players Press, 1991.
Hunnisett, Jean. Patterns for Outer Garments : Cloaks, Capes, Stoles and Wadded Mantles. Studio City: Players Press, 2001.
Die Hunnisett-Bücher sind für Kostümbildner gedacht, woraus folgt, daß die Schnitte zwar weitgehend historisch korrekt sind, es im Detail und bei den Nähanleitungen aber eher pragmatisch-modern zugeht. Dafür sind die Schnitte für die heutige Figur gut geeignet und decken auch Stilepochen ab, von denen keine originalen Gewänder erhalten sind. Gut für Leute, die sich nicht gleich ganz ohne Anleitung an historische Schnitte trauen wollen. Auch sonst eine gute Ergänzung zu Arnold.
Köhler, Carl, bearb. von Emma Sichart. A History of Costume. Maneola: Dover, 1983

Köhler war ein Kostümsammler im späten 19. Jh. Das deutsche Original hierzu (siehe Quellen) bekommt man manchmal noch antiquarisch. Die Schnittdiagramme sind stark verkleinert, sehr ungenau, und in den allermeisten Fällen wohl durch raten entstanden, nicht durch Untersuchung erhaltener Gewänder. Das ist nur für frühe Epochen (vor 1500 rum) akzeptabel.

Mikhaila, Ninya, und Jane Malcolm-Davies, The Tudor Tailor : Reconstructing sixteenth-century dress. London: Batsford, 2006
North, Susan, und Jenny Tiramani. Seventeenth-century Women's Dress Patterns, book one. London: V&A Publishing, 2011

Sehr detailliert, bis hin zu Klöppelbriefen für Spitzen an der Kleidung, Röntgenaufnahmen, Zeichnungen von Stickereien. Sogar mit einer Übersicht über Strickmaschen und Nähstiche. Band 2 habe ich noch nicht, kommt aber auch noch.

Pietsch, Johannes, und Karen Stolleis. Kölner Patrizier- und Bürgerkleidung des 17. Jahrhunderts : Die Kostümsammlung Hüpsch im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Riggisberger Berichte 15. Riggisberg: Abegg-Stiftung, 2008

Ähnliches Thema wie Seventeenth-century Women's Dress Patterns, aber eher wissenschaftlich-technisch-restauratorisch aufbereitet, weniger Fokus auf den Schnitten, die hier kleier und schematischer sind. Bei dem großen Buchformat hätte man gern auch die Diagramme und Fotos größer machen können; da ist noch viel Rand außenrum. Und warum zum Teufel müssen Foto und Schnitt auf eine Seite? Größter Vorteil des Buches ist die gesicherte regionale Provenienz der Kleidung.

Waugh, Nora. The Cut of Men's Clothes : 1600-1900.
London: Faber & Faber, 1994.
Waugh, Nora. The Cut of Women's Clothes : 1600-1930.
London: Faber & Faber, 1968.

Die Schnitte sind nicht ganz so leicht zu verwenden wie die von Arnold, dafür sind sie aber recht zahlreich und decken so ziemlich jeden Modestil ab. Dazu gibt es viel interessante Hintergrundinformation - über die jeweils verwendeten Stoffe, Techniken, Kosten. Die Autorin hat offenbar sehr intensives Quellenstudium betrieben. Sauteuer, aber untentbehrlich. Wer Schnitte für Männerkleider will, kommt um Waugh sowieso nicht herum.

Waugh, Nora. Corsets and Crinolines.
New York: Routledge, 1996.<

Das Drunter kommt in den oben genannten Büchern etwas kurz - dieses Buch sollte man als Ergänzung unbedingt haben. Schließlich sieht kein historisches Gewand "ohne" richtig aus. Für jede Epoche, in der solcherlei getragen wurde, gibt es das passende Korsett und den passenden Reifrock als Schittdiagramm, dazu in gewohnter Waugh-Manier viel Hintergrundinfo.